Niederrhein (Region)

Der Niederrhein ist eine an die Niederlande grenzende Region im Westen Nordrhein-Westfalens. Sie ist allerdings zu unterscheiden von dem gleichnamigen unteren Rheinabschnitt, zu dessen beiden Seiten sie sich erstreckt; der Flussabschnitt Niederrhein beginnt bereits weiter südöstlich an der Siegmündung. Auch die naturräumliche Definition des Niederrheins als nördlicher Teil der Niederrheinischen Bucht unterscheidet sich, weil dabei entgegen dem allgemeinen Sprachgebrauch auch Teile des zentralen Rheinlandes einbezogen werden, von derjenigen der Region Niederrhein.

Eine eindeutige geographische Abgrenzung des flachen eigentlichen Niederrheingebietes von den Nachbarlandschaften gibt es nicht. Das Niederrheingebiet bildet außerdem weder geologisch, historisch, politisch noch kulturell eine kontinuierliche Einheit. Gelegentlich wird die Region Niederrhein definiert durch das, was sie nicht ist: Sie ist nicht identisch mit den angrenzenden Niederlanden, mit dem benachbarten Westfalen, mit dem im Südosten beginnenden Bergischen Land oder mit dem Norden der Eifel samt Villerücken im Süden. Teile des Niederrheins überlagern sich mit dem Ruhrgebiet, das jedoch nicht zu den historischen Landschaften zählt. Am ehesten lässt sich das Niederrheingebiet als das Land kennzeichnen, dessen Bewohner die (früheren) niederrheinischen, zum Niederfränkischen gehörenden, Mundarten sprechen. Die Niederrheinische Mundarten formen (zusammen mit dem Westmünsterländischen) sowohl das kleinste (geografisch) als auch heterogenste (sprachlich) Cluster der fünf Hauptcluster innerhalb des deutschen Sprachgebiets.

Wirtschaft

Der Niederrhein hat im dünn besiedelten Norden und Westen einen recht ländlichen Charakter. Entlang des Rheins ist er durch die Flussaue geprägt. Der Anteil der Landwirtschaft am Wirtschaftsvolumen ist (wie auch anderswo) gesunken. Eines der markantesten Projekte des Kreises Kleve war die Umwandlung des ehemaligen britischen Militärflugplatzes Laarbruch in Weeze zum zivilen Flughafen Niederrhein; sein IATA-Flughafencode NRN wurde aus Niederrhein abgeleitet.

Die Stadt Mönchengladbach, die im 19. Jahrhundert wegen ihrer Textilindustrie das „Rheinische Manchester“ genannt wurde, hat sich ähnlich wie Krefeld diesen Wirtschaftszweig und den damit einhergehenden spezialisierten Maschinenbau bis heute als wichtiges Standbein erhalten, allerdings mit geschrumpfter Tragweite. Krefeld entwickelte sich – begünstigt durch die Aufnahme protestantischer Exulanten (vornehmlich Mennoniten) – im 18. Jahrhundert zum Zentrum der Produktion von Samt und Seide und konnte diese Tradition auch unter naturgemäß sehr erschwerten Bedingungen so erfolgreich bewahren, dass die Dichte der Präsenz von Seidenwebereien weltweit noch immer unerreicht ist. Ein Spezialgebiet der Seidenweberei im Raum Krefeld ist die (renommierte und europaweit führende) Krawattenherstellung.

Die für Krefeld eminent wichtige Chemieindustrie und der Maschinenbau haben auch in Duisburg eine große Bedeutung. Der Strukturwandel von der breitgefächerten Montanindustrie zum Dienstleistungssektor setzt sich im Rheinischen Ruhrgebiet, besonders in Duisburg und Oberhausen, weiter fort, obwohl die Stahlerzeugung ihre Krise überwunden hat und auch langfristig weiter fortbesteht. Die Stilllegung der letzten Duisburger Zeche wurde vollzogen. Neben Büroimmobilien und Mikroelektronik weist auch die durch Europas größten Binnenhafen (Duisport in Duisburg) begünstigte Transportlogistik einen wachsenden Stellenwert auf. Die verkehrsgeographische Lagegunst am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr machte Duisburg und das gesamte Ruhr-Mündungsgebiet zum größten Standort der deutschen Stahlindustrie und zum Zentrum der deutschen Rheinschifffahrt.

Die Landeshauptstadt Düsseldorf hat einen starken tertiären Sektor (Messe-, Handels- und Modestadt, Sitz von Konzernen und Wirtschaftsverbänden, ein großer deutscher Banken- und Börsenplatz). Der Flughafen Düsseldorf zählt zu den meistfrequentierten der Bundesrepublik. Von dem im Fokus der Branche stehenden regen Büroflächenumsatz dieser Wirtschaftsmetropole profitiert auch die linksrheinische Nachbarstadt Neuss, die mit Düsseldorf einen großen Binnenhafen betreibt. Durch den Braunkohlentagebau Garzweiler und Braunkohlekraftwerke prägt die Energiewirtschaft das Umland von Grevenbroich, der zweitgrößten Stadt im Rhein-Kreis Neuss.

 

Dieser Text basiert auf dem Artikel  Portal:  Niederrhein (Region) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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